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So begrüßen Briten am 1. Mai den Sommer

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Maibaum mit Bänderkranz britische Maitradition
Bild: jgeschnan-kopriva - Unsplash
Blonde Mädchen mit Blumenkranz im Haar binden Efeuranke, 1. Mai in Großbritannien
Bild: Davide Biscuso -Unsplash

Viele Maifeierlichkeiten haben ihre Wurzeln im finsteren Mittelalter, einige gehen sogar auf die Antike zurück. So feierten bereits die Römer das Fest der Flora. In Großbritannien teilten die Kelten ihr Jahr in vier große Feste. Dabei hatte das Fest Beltane eine besondere Bedeutung. Diesen ersten Tag des Sommers begrüßten sie mit diesem Fest mit Lagerfeuern. Wir kennen diesen Tag als 1. Mai. So wird auch heute noch in vielen Landesteilen, z.B. in Edinburgh, das Beltane Fest gefeiert. Hier versammeln sich tausende Menschen am Vorabend des 1.Mai am Calton Hill im Zentrum Edinburghs, um mit spektakulären Feuershows, Umzügen, Trommeln und reichlich Körperbemalung die keltische Kultur wieder aufleben zu lassen. Das Feuer symbolisiert hierbei die Reinigung, Läuterung und Fruchtbarkeit. Einige hundert Teilnehmer zählt das Festival, welches das Ende des langen schottischen Winters markiert und so den Sommer mit einem Freudenfest begrüßt.

Youtube vom Beltane Festival in Edinburgh

Maikönigin, Mädchen im weißen Kleid wird auf den Schultern getragen, Publikum, Männer und Frauen
Krönung der Maikönigin, England. Bild: Social History Archive

Die Puritaner verbieten die heidnischen Maifeiern

Diese Bräuche mit heidnischen Wurzeln waren bei der Kirche oder dem Staat in England nicht immer beliebt gewesen. Als im 16. Jahrhundert die häufig ausschweifigen Maifeiern verboten wurden, kam es zu Unruhen, bei denen 14 Aufrührer gehängt und Heinrich VIII 400 weitere begnadigt haben soll.

Völlig verschwanden die Maifeiern dann, als Oliver Cromwell und die Puritaner um 1645 das Land kontrollierten. Den Tanz um den Maibaum betrachtete man als „eine heidnische Eitelkeit, die im Allgemeinen zu Aberglauben und Schlechtigkeit missbraucht wird.“ Ein Gesetz schaffte schließlich die Maibäume in ganz England ab. Erst mit der Restauration Charles II kehrte der fröhliche Maitanz wieder auf die Dorfanger zurück. Den „fröhlichen Monarchen“ nannte man Charles II, der dies ermöglichte, und er war auch derjenige, der einen 41 m hohen Maibaum in London St. Mary le Strand am 14 April 1661 aufstellen ließ. Da er für das Volk die lustigen Zeiten symbolisierte, ließ man ihn gleich 50 Jahre lang dort stehen.

Mädchen in weißen Kleidern tanzen um den Maibaum
Bild: Social History Archive

Heute beansprucht jedoch landesweit den höchsten Maibaum mit 26 Metern Barwick in Yorkshire für sich.

Ursprünglich waren die ersten Maibäume vermutlich junge Bäume, die man auf dem Dorfanger aufstellte und mit Bändern schmückte, um welche die Kinder tanzten. Heute erprobt man bei den Maitänzen schon weit im Vorfeld, dass die Bänder beim Tanz ein ansehnliches Geflecht ergeben.

Kein 1. Mai ohne Jack-in-the-Green

Anlässlich der Maitänze wird in vielen Dörfern auch noch heute die Maikönigin gewählt und der grüne Bube, Green Man oder Jack-in-the Green, an die Spitze des Umzugs gesetzt. Man nimmt an, dass diese Figur ein Relikt aus den Tagen ist, da unsere Vorfahren Bäume verehrten, aber auch als Fruchtbarkeitssymbol wird er gesehen. Er trägt dabei ein mit Laub bedecktes Gestell am Körper. Manchmal erinnert der Green Man auch an Shakespeares Puck in „Ein Sommernachtstraum“.

Zu den Maitraditionen gehören in Südengland auch immer noch die Steckenpferde in Dunster und Minehead in Somerset und in Padstow Cornwall. Das Pferd oder der Oss, wie er dort genannt wird, ist eine Person aus dem Ort, die in wallende Gewänder gekleidet ist und eine Maske mit einer grotesken Karikatur eines Pferdes trägt.

Mann tanzt mit Stock ums Feuer, Feuerfunken, 1. Mai, heidnische Bräuche
Bild: Ihor Malytski – Unsplash

Die Morris Tänzer tauchen in Pubs und auf Dorfangern auf

Obwohl die 1. Mai Feiern viele Jahrhunderte zurückreichen, so variieren sie dennoch in Großbritannien von Ort zu Ort. Die Morris-Tänzer beispielsweise gibt es seit 600 Jahren, und sie treten landesweit auf Dorfplätzen und auch in Pubs auf. Viele von ihnen tanzen in der Morgendämmerung wie z.B. die Wessex Morris Men, die bereits um 5.15 Uhr auf den Cerne Abbas Giant steigen. Die Men-of-Wight wiederum umrunden bei Sonnenaufgang den megalithischen Longstone in Mottistone. Die meisten organisierten Morris Tanzgruppen wurden in der Form allerdings erst in den 30er Jahren gegründet. Vermutlich basiert ihr Tanzstil auf volkskundlichen Überlieferungen. Einen Morris Tanz in Oxford kannst du auf diesem YouTube Video sehen.

Jack-in-the-Green Festival in Hastings

Hastings wiederum feiert den Sommeranfang am 1. Mai mit dem „Jack-in-the-Green“ Festival. Der Jack wird jedes Jahr „freigelassen“ und ist ein wichtiger Bestandteil des Festes. Der Hauptumzug des Jacks findet am May Bank Holiday Monday durch die Straßen der Altstadt von Hastings statt und beginnt am Fishermen’s Museum. Begleitet wird der Jack von den Gnomen, dem Black Sal, dem Dicken Mann mit der Trommel und von anderen Figuren, Tänzern, Riesen und verschiedenen Morrisgruppen. Der Umzug endet auf dem West Hill, wo der Jack „erschlagen“ wird, um „den Geist des Sommers zu befreien“.

Beim Clun Green Man Festival in Shropshire beobachten die Menschenmengen auf der Clun Bridge, wie der Grüne Mann die Frostkönigin besiegt und damit den Einzug des Sommers ermöglicht. Nach seinem Sieg führt er den Umzug zum Gelände von Clun Castle an.

Maiglöckchenstrauß
Bild: Dmitriy-be-oy, Unsplash

Weitere 1. Mai Festivals findest du hier:

Obby Osses Day in Padstow

Ring of the Bounds in Berwick-Upon-Tweed

Helston Flora Day in Cornwall

Die Jagd auf den Grafen von Rone, Combe Martin, Devon

Ungewöhnliche Jahreszeiten abhängige Bräuche in Großbritannien findest du hier auf meinem Blog:

Das Uhren Verbrennen

Die zwölfte Nacht

Easter Bonnets – Hasen, Küken und mehr auf dem Kopf

Weihnachtsschwimmen

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