Start Lifestyle Die Faszination der britischen Strandhütten

Die Faszination der britischen Strandhütten

514
0
farbige Strandhütten am Strand von England

Britische Strandhütten eine Goldgrube

Die bonbonfarbenen Strandhütten sind in Großbritannien heiß begehrte Objekte. Allein im vergangenen Jahr stiegen die Preise angetrieben durch „staycation“ (Urlaub im eigenen Land) für eine Tagesmiete um 41%. Die Verkaufspreise für die winzige Immobilie sind im Durchschnitt auf 28.000 £ gestiegen. Eine erstklassige Strandhütte an der britischen Küste kann aber auch bis zu 600.000 £ kosten. Wenn man bedenkt, dass sie nicht einmal mit einer Toilette ausgestattet sind, nicht gerade ein Schnäppchen, zumal der durchschnittliche Hauspreis in England bei 268.000 £ liegt.  Vermietet man sie pro Tag, so bringt sie in etwa 40 £ ein, an Top-Standorten wie Dorset auch mal 126 £. Die Warteliste für die Lizenz einer Strandhütte ist groß, denn die Nachfrage ist gigantisch.  Nicht selten warten Interessierte 10 Jahre auf diese Mini-Immobilie.

Bunte Strandhütten mit Sandstrand
Bild: Chen Liu – Unsplash

Malerisch und schrullig: Die wiederbelebte Anziehungskraft britischer Strandhütten

Die farbenfrohen Hütten an der britischen Küste, Eiscreme, Sandburgen und das unvorhersehbare englische Wetter gehören einfach zusammen. Mittlerweile fast als etwas für alte Leute angesehen, wurden die Standhütten während des Lockdowns von einer Nostalgiewelle erfasst. Sie verkaufen sich teurer als so manches Haus und wenn man bedenkt, dass man darin noch nicht einmal über Nacht bleiben darf, und die alljährliche Erhaltung Einiges kostet, sagt das etwas über seine momentane Wertschätzung aus.

Badekarren als Vorläufer der Strandhütten

Badekarre Frau steigt ins Meer aus der Badekarre
Badekarre (Bathing Machine) 1893, Foto: Wilhelm Dreesen, Bild: Wikimedia Commons

Die Strandhütten entstanden am Anfang des 20. Jahrhunderts. Davor setzte man sogenannte Badekarren, „Bathing Machines“, ein. Das Baden am Meer war bis dahin eine sehr umständliche und teure Angelegenheit, also nichts für das normale Volk. Frauen und Männer mussten natürlich an weit auseinander liegenden Stränden baden, und das Umziehen in Badekleidung erfolgte außer Sichtweite der anderen Badegäste in einer sogenannten Badekarre. Diese bespannte oder hölzerne Umkleidekabine wurde mit Pferden in sicherem Abstand vom Strand in das Wasser gezogen. Darin zog sich die oder der Badende um und tauchte von da aus ins kalte Wasser des Ozeans ein. Zwar wurde damals schon von ärztlicher Seite das Nacktbaden empfohlen, da aber die körperliche Bräune als gewöhnlich und bäurisch empfunden wurde, zog man es vor, sein Bad auch aus diesem Grund im Schutz des Badekarrens zu genießen.

Königin Victorias Badekarre
Queen Victorias Badekarre, Bild: Wikimedia Commons, Quelle

Gemeinden führten Strandhäuser ein

Nach dem ersten Weltkrieg war zwar das Baden von beiden Geschlechtern am selben Strand akzeptabel geworden, jedoch nicht das Umziehen vor Publikum. So führten die Gemeinden Strandhütten ein, in denen man sich gegen Gebühr umziehen konnte. Die erste fest installierte Strandhütte errichtete man 1909 in Bournemouth. Unternehmerisch denkende machten sich später die an den Ständen zurückgelassenen Badekarren zunutze, entfernten deren Räder und verwandelten sie in Strandhütten. Einige Gemeinden stellten auch Zelte zum Mieten zur Verfügung. Manch eine Hütte ist heute mit einem kleinen Herd ausgestattet, auf dem die Gäste ihren „Teakettle“ für die unerlässliche Tasse Tee aufsetzen können.

Farbenfroher Charme, doch das Renovieren hat seine Tücken

Auch deren Renovierung ist mittlerweile zum großen Geschäft geworden. Teilweise verhängen die Gemeinden strenge Auflagen, was die Renovierung der Hütten angeht. So werden nicht selten auch die Farben der Dächer und Wände im Pantone Ton durch die Stadtverwaltung vorgegeben. Sie haben dennoch ihren Sinn, denn das Gesamtbild am Strand soll einheitlich wirken.

Strandhütten in Kent England
Strandhütten in Kent, England, Bild: Claire Smith – Unsplash

Warum gehen Stadtverwaltungen mittlerweile gegen aufgemotzte Strandhütten vor?

Sind sie einmal aufgemöbelt, kann man sie tageweise für Partys vermieten. Aufmotzen heißt nicht, dass man eine Toilette einbauen dürfte, denn dies ist verboten. Strenge Auflagen sind hier einzuhalten und in einigen Gemeinden ist das Vermieten verboten. Was nicht heißt, dass sich deren Besitzer nicht doch darüber hinwegzusetzen und illegal daran bereichern. Trotz des Verbots, entstanden Webseiten, über die man solch eine Strandhütte für Partys mieten kann. In Clacton-on-Sea, Walton-on-the-Naze in Essex und Southwold in Suffolk für 50 bis 100 £ pro Tag. Es entstehen diverse Verwaltungs-, Reinigungs- und Verpflegungsdienste rund um die Strandhüttenvemietung. In etlichen Gemeinden wurden die Strandhüttenbesitzer vom Stadtrat aufgefordert, die “Strandhüttenanpassungen, die nicht den bestehenden Spezifikationen entsprechen“, zu entfernen, denn die bestehende Lizenz zum Besitz einer Strandhütte ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt.

Beispiel aus einer Makleranzeige, die andeutet, dass diese Strandhütte nur von Freunden und Familie bewohnt werden darf.

Mudeford Sandbank, Christchurch, Dorset, fully fitted & furnished, sleeps up to 8 (close friends/family!), fully insulated, FOR SALE; £ 440000

Siehe auch mein Artikel Die glorreichen Tage der Küstenferien in Großbritannien.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein