Start Reisen Der giftigste Garten der Welt oder wie eine Pflanze tötet

Der giftigste Garten der Welt oder wie eine Pflanze tötet

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Fliegenpilz in Tannennadeln
Giftiger Garten
Eisengatter, Totenkopf, Schrift
The Alnwick Garden

„Was Kinder wirklich interessiert ist, wie eine Pflanze tötet, wie der Patient stirbt und was er fühlt, bevor er stirbt“, sagt Jane Percy, die Gründerin des giftigsten Gartens der Welt in Alnwick Northumberland. Insofern steht den Besuchern des Poison Gardens in dem an Schottland grenzenden Northumberland, der bestens bewacht 100 verschiedene Arten von Giftpflanzen beherbergt, eine spannende Führung bevor. Denn nur mit Führung geht‘s in der Gruppe durch den gefährlichen Garten, kein Berühren, kein Schnuppern, kein Probieren. So heißt es für die Besucher, und bereits am Eingangstor des hoch umzäunten Geländes warnt ein Schild den Besucher: „Diese Pflanzen können töten!“.

Schnuppern und berühren verboten

Hier gedeihen exotische Killer wie die Engelstrompeten neben der Tollkirsche, auch als Belladonna bekannt, und Strychnin, aber auch allgemein bekanntere Giftpflanzen wie der Kirschlorbeer. Letzterer ist bei den meisten gar nicht als Killer bekannt, obgleich er höchst giftig ist. Man erzählt sich, dass einige, nachdem sie ihr Auto mit zurückgeschnittenen Zweigen des Kirschlorbeers gefüllt hatten, um sie auf den Müll zu fahren, hinter ihrem Steuer von den giftigen Dämpfen eingeschlafen seien. Nicht umsonst sehen die Gartenregeln vor, nicht an den Pflanzen zu schnuppern, sie zu berühren oder gar zu probieren. Im Sommer 2013 sollen sieben Gartenbesucher von den giftigen Dämpfen ohnmächtig geworden sein, als sie durch den Garten flanierten. Bereits im viktorianischen England sollen sich die Damen die Pollen der Engeltrompete in den Tee getan haben, um eine Wirkung von LSD, z.B. Halluzinationen zu erzeugen.

Pflanze mit gelber Blüte
Engelstrompete, Bild: Margaret Whittaker

Security 24h

Da der Garten auch narkotisierende und berauschende Pflanzen wie Schlafmohn, Cannabis, Magic Mushrooms und Tabak enthält, bedurfte es einer speziellen Erlaubnis durch die Regierung. Da die Gefahr dieser Pflanzen sehr real ist, und oft schon eine Berührung zu Krankheit oder Tötung führen kann, sind einige Pflanzen separat eingezäunt. Um ganz

sicherzugehen, wird der Garten rund um die Uhr von Sicherheitskräften bewacht. Auch für Drogenaufklärung bei Jugendlichen ist der Garten ein guter Ausgangspunkt.

Die Geschichte des Gartens

Auch wie es zu dem Garten kam, ist interessant. Bis 1995 war Jane Percy lediglich Mutter von vier Kindern, als ihr Mann unerwartet durch den frühen Tod seines Bruders der zwölfte Duke von Northumberland wurde. Jetzt galt es, ein Schloss und die neu ererbten Güter zu verwalten und die ausladenden Gärten teilweise zu gestalten. Seit 1750 gab es bereits die formell gestalteten Gartenanteile, die jedoch während des zweiten Weltkriegs vom viktorianischen Glanz in einen Gemüsegarten verwandelt wurden. Es war also an der Zeit, den Garten zu neuem Glanz zu verhelfen, allerdings auf modernere Art. Ihre ursprüngliche Idee eines Apothekergartens verwarf Lady Percy, als sie den berühmt berüchtigten Giftgarten der Medici in Italien besuchte. Pflanzen, die töten, anstatt zu heilen, das war die Idee. Ein Ausflug zu einem Ausgrabungsort in Schottland, dem größten Hospital im mittelalterlichen Schottland brachte ihr weitere Anregungen. Dort erfuhr sie etwas über Schlafmittel, über Schwämme, die mit Bilsenkraut getränkt sind, Opium und Schierlinge, die für die Betäubung bei Amputationen eingesetzt wurden. Ihre Pflanzen mussten eine Geschichte oder Anekdote erzählen können.

Garteneingang, Pflanzen
Bild: Tim Cooper – Unsplash

Es wird viel geboten

600.000 Besucher zählt der Poison Garden von Alnwick jedes Jahr auf seinen 14 Hektar. Ein Labyrinth aus Bambus, ein mehrstöckiges Baumhaus, eine Kaskade mit 21 Staustufen, die jede Minute 33.000 Liter Wasser hinunterstürzen lässt und ein Restaurant sorgen für Unterhaltung.

Übrigens: Das ganz in der Nähe gelegene Alnwick Castle, Sitz des Duke of Northumberland, diente bereits in den ersten beiden Harry Potter Filmen als Filmschauplatz für Hogwarts und auch für etliche Szenen bei Downton Abbey.

Eine super Fernwanderroute in Northumberland ist der Cuthbertweg, der in diesem Blog beschrieben wird.

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