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Lavendelernte in London – ein Geheimtipp!

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Mädchen verkehrt herum liegend im Lavendelfeld
Lavendelernte in England

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Ja, ich dachte auch ich hätte mich verhört, als mein Sohn mich zu einem Ausflug auf das Lavendelfeld nahe Londons einlud. Aber da leuchtete es in der Sonne, das blaue Idyll. Gemeinhin verbindet man schließlich die blauen Felder mit der Provence. Und doch ist das Lavendelfeld in Sutton bei London Realität und bei Besuchern beliebter denn je. Nur wenige Autominuten vom Zentrum Londons entfernt findet man den familiengeführten Bauernhof Mayfield, wo auf 25 Hektar Lavendel angebaut wird. Klar, dass das Feld zur Blütezeit zum Touristenmagneten wird. Wer lässt sich nicht gerne inmitten eines blauen Blütenmeers von Lavendel ablichten. Touristen, Instagram Fans und Modefotografen wuseln im Feld wie Ameisen, posieren an der eigens darin aufgestellten roten englischen Telefonzelle. Um das volle blaue Blütenspektrum zu erfassen, schrecken einige Besucher auch nicht vor dem Einsatz von Drohnen zurück.

Lavendelfeld Mädchen mit kurzen Hosen und Handy
Das Lavendelfeld Mayfield in Sutton bietet den richtigen Hintergrund für Instagram Fotos. Bild: Javier Ezpeleta – Unsplash

Ein Blick in die Geschichte

Wer aber glaubt, dieser Lavendelanbau sei eine Rarität oder etwas Exotisches in England, liegt falsch. Ein Blick in die Geschichte zeigt es. Es gab eine Zeit, da fand man in England die größten Lavendelplantagen der Welt. Protestanten aus der Haute Provence waren um 1600 im Zuge der Verfolgung durch Katholiken ausgewandert und brachten die ersten Lavendelstecklinge mit sich auf die Insel. Ihre im Süden Londons angelegten Felder überzogen seinerzeit riesige Gebiete, die heute von den Gemeinden Mitcham, Carshalton und Sutton mit Siedlungen bebaut sind. Von dort kamen früher die berühmten Lavendelöle für die größten Seifenhersteller, wie zum Beispiel Yardley’s. Sagte man doch den englischen Ölen die beste Qualität nach, da die Pflanzen unter einem längeren täglichen Sonnenstand bestens gedeihen und nicht so ausgetrocknet werden wie in der Provence. Diese klimatischen Verhältnisse bewirken, dass ihr Aroma blumiger ist. Schließlich zerstörte vor hundert Jahren eine Käferplage die meisten Felder, so dass dieser Ölproduktion in der gesamten britischen Industrie nur noch eine sehr kleine Rolle zukommt. Ob Yardley’s als großer Seifenhersteller im Süden Londons mit seinem neu angelegten Lavendelfeld Mayfield in Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation „Bioregional“ eine Wiederbelebung des englischen Lavendel schaffen wird, bleibt abzuwarten. Die Zeichen dafür stehen gut.

Lavendelfeld Frau mit Sonnenhut
Lavendelfeld in Carshalton, Bild: Simon Huang – Unsplash

Lavendel bei den Royals hoch im Kurs

Bei den Royals stand Lavendel schon zu Zeiten Viktorias hoch im Kurs in Form von Lavendelgelee zum Lammbraten. Auch Königin Elizabeth I hat sich schon täglich frischen Lavendel gegen Kopfschmerzen und gegen den Gestank der Pest bringen lassen. Lavendel überdeckte zudem mit seinem starken Duft unangenehme Gerüche durch einen Mangel an Abwassersystemen. In den 1930ern reiste kaum eine englische Lady ins Ausland ohne einen Flakon englischen Lavendels in ihrem Gepäck. Ob das Wort Lavendel nun vom lateinischen Wort „lavare“ (waschen) oder „livere“ abstammt, darüber streiten sich noch die Geister.

Welche Sorten werden hier angebaut?

Das milde Wetter und die kalkhaltigen Böden sind ideal für den Lavendelanbau. Zwei Sorten werden in Mayfield angebaut. Der „englische Lavendel“ oder „echter“ Lavendel genannt (Lavandula Angustifolia) hat schmale Blätter und kurze Stiele mit fassförmigen Blüten. Folgate und Maillette sind zwei Arten, die durch den charakteristischen süßen kosmetischen Duft und die leuchtend blaue Farbe die beste Qualität hervorbringen. Auch „Grosso“, eine Hybridpflanze aus „echtem Lavendel“ und breitblättrigem Lavendel, baut man dort an. Sie weist breitere Blätter, längere Stiele und größere spitz zulaufende Blütenköpfe auf. Ihre Stiele tragen drei Blütenköpfe, die demzufolge mehr Öl ergeben. Das daraus gewonnene Öl, das eine stärkere Duftnote hat, nennt man „Lavandin“.

Lavendelernte durch freiwillige Erntehelfer in Carshalton

Auch in Carshalton wurde 1997 nach 80 Jahren der Lavendelanbau wiederbelebt. Was zunächst mit der traditionellen Ernte per Hand begann, führte man dann fort mit einer kleinen recycelten Landmaschine, dem Heritage Harvester, der sich leicht durch die engen Reihen bewegte, ohne dass man dabei die Pflanzen beschädigte. Die alljährliche Ernte findet jeweils am letzten Juliwochenende statt und wird bei Volunteers und Besuchern von Jahr zu Jahr attraktiver. Das Ereignis ist Süd-Londons bestgehütetes Geheimnis, und das Lavendelfeld in Carshalton ist die einzige Stätte, bei der man seinen eigenen Lavendel pflücken kann. Körbe und Scheren stellt der Lavendelbauer seinen Gästen bereit, bezahlt wird je nach Ernteumfang am Ausgang. Der Erlös kommt dem Non-profit Projekt zugute, denn der Lavendelanbau wird ausschließlich durch Freiwilligenarbeit betrieben. Die Gäste haben dabei die seltene Möglichkeit, einem japanischen Teeschneider im Ernteeinsatz und auch beim Öl pressen zuzusehen. Dieses Gerät ist noch einmal leichter als der Heritage Harvester.

Die freiwilligen Helfer übernehmen vielfältige Arbeiten, sie schneiden Büsche, pflanzen den Lavendel, jäten Unkraut, ernten, trocknen den Lavendel, züchten Pflanzen zu Hause und bringen sie wieder, um sie einzupflanzen.

Mann im Lavendelfeld
Bild: Jay Mullings – Unsplash

Food Trends bringen auch Lavendel Aufschwung.

Nicht nur in der Kosmetikindustrie erfreut sich Lavendel großer Beliebtheit, auch im Food Bereich ist er längst angekommen. Seit langem wird Lavendel in Speisen verwendet, um ihnen ein exotisches Aroma zu verleihen, häufig kombiniert mit Limone, Honig, Pflaume oder Thymian. Lavendel hat aber auch neben Milchprodukten und Backerzeugnissen bereits Zugang zu Schokolade, Eiscreme, Keksen und alkoholischen Getränken gefunden.

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Lavendelaroma mit Zweitaromen kombinieren

Zum einen experimentiert die Food Industrie kräftig mit Lavendel Aromen, zum anderen zeichnet sich aber auch ein deutlicher floraler Trend im Food Markt ab, der sich visuell sehr ansprechend durch Instagram verbreiten lässt. Hier ist Lavendel natürlich der richtige Blickfang.

Der klassische Lavendel hat sich auch bereits im Gesundheits- und Wellnessbereich in Form von Gesundheitsdrinks wie Tees oder Kombucha breitgemacht, denn das Lavendelaroma lässt sich gut mit Zweitaromen wie Kamille, Erdbeere oder Ingwer kombinieren. Also eine Verjüngungskur für Tees und Gesundheitsdrinks.

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