Start Malerisches Wanderweg in Schottland – Rob Roy Way

Wanderweg in Schottland – Rob Roy Way

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Rob Roy Way
Ausblicke vom Rob Roy Way in Schottland

Rob Roy Way – Fernwanderweg

Eine landschaftlich wunderschöne Wegstrecke, nicht allzu anstrengend, die in der Hochsaison wenig bewandert ist, eine echte Alternative zum West Highland Way.

Autorin: Sieglinde Fiala

Ein paar Worte vorweg zu Rob Roy

Rob Roy MacGregor war auf dem Lande in der Natur Schottlands zu Hause – zum einen ein wahrer Naturbursche, zum anderen ein intelligenter Mann. Umstände und Unglück machten ihn zu Schottlands berühmtesten Geächteten. Sein Besitz wurde beschlagnahmt, und seine Nachfahren durften bis 40 Jahre nach seinem Tod den Nachnamen MacGregor nicht nutzen, kein Eigentum besitzen und zuweilen noch nicht einmal ein Messer tragen. Im Jahre 2002 wurde drei Jahrhunderte nach seiner Geburt ihm zu Ehren dieser neue Fernwanderweg benannt.

Behende auf unwegbarem Terrain, war Rob Roy ein Meister darin, unauffindbar zu entwischen. Obgleich er viele Male gejagt und verhaftet worden war, lebte er bis zum stolzen Alter von 63 Jahren und starb schließlich friedlich in seinem Bett. Er wurde im Friedhof von Balquhidder begraben, wo auch die Wanderroute vorbeiführt. Auf seinem Grabstein steht: „MacGregor despite them“. Der Rob Roy Way kommt an Orten vorbei, an denen Rob Roy und seine Clanmitglieder aktiv waren, speziell um Aberfoyle und Killin. Die Route ist von Stammesgeschichte durchdrungen, von Legenden der Jacobiten und Geschichten vom Widerstand der Highlander gegen die Londoner Regierung. Der gesamte Weg, den ich in Teilen gegangen bin, beherbergt auch ein interessantes Kulturerbe der Eisenbahn und den viktorianischen Süßwassersee Loch Katrine. Dieser war die größte kommunale Errungenschaft Schottlands, denn damit brachte man die Cholera sozusagen über Nacht zum Stillstand.

Rob Roy Way Schottland. Karte freundlichst zur Verfügung gestellt von Hillwalk Tours

Die beste Jahreszeit zum Wandern

Glücklicherweise gibt es für diejenigen, die wenig Auswahl haben, keine schlechte Zeit, den Weg zu wandern. Du solltest immer auch auf kaltes, feuchtes oder windiges Wetter vorbereitet sein. Wenn du im Winter wanderst, bietet sich dir eine kristallklare Sicht und du kannst häufiger Wildtiere beobachten.

Einige Dinge solltest du bei der Auswahl der Wanderzeit berücksichtigen:

  • Wintertage sind nicht so flexibel, da es nur wenige Tageslichtstunden gibt. Im Dezember ist es nur 6-7 Stunden hell, im Juni dagegen 17-18 Stunden.
  • Im Winter hast du weniger Möglichkeiten, Abstecher vom Wanderpfad zu machen, da viele dieser empfohlenen Abzweigrouten nur von April bis Oktober zugänglich sind.
  • Allerdings werden Winterwanderer nicht von Insekten geplagt, wie zum Beispiel von Gnitzen („Midges“) und Bremsen.
  • Im Winter fahren die Busse nicht so häufig.
  • Im Sommer gibt es mehr Touristen in der Gegend, so dass viele B&Bs ausgebucht sind.

Die besten Monate zum Wandern sind wohl Mai/Juni und September/Oktober. Im Juli/August sind die meisten Touristen und Midges unterwegs. Von beiden Spezies habe ich jedoch keine getroffen und war sowohl auf Wanderwegen als auch in B&Bs meist allein und von Midges unbehelligt.

Wanderer und Landbesitzer

Der Rob Roy Weg wurde von begeisterten Wanderern in Zusammenarbeit mit den betroffenen Landbesitzern entwickelt. Ein Fernwanderweg kann mitunter den guten Willen von Landbesitzern auf die Probe stellen. Ein einziger gedankenloser Wanderer kann das Ergebnis endloser Diskussionen zwischen den beiden Parteien untergraben. Daher sollte man sich als Wanderer stets rücksichtsvoll und umsichtig verhalten. Der Rob Roy Weg erhält keine offizielle Unterstützung und kein Instandhaltungsbudget für den Weg. Er nutzt meist bestehende Ressourcen, z.B. Fahrradwege (Cycle Route 7), weicht davon aber an bestimmten Stellen ab. Die Hälfte liegt auf Forstwegen und auch auf Strecken mit Wegerechten von Strathtay nach Pitlochry und auf Land in Privatbesitz. Hier versteht es sich von selbst, entsprechende Regeln für Wanderer einzuhalten. Diese sind auch im Scottish Outdoor Access Code für Wanderer festgehalten.

Mein „Walk“

So ein Sabbatjahr ist etwas Herrliches, wenn man etwas daraus macht. Eines meiner zahlreichen Vorhaben in meinem Sabbatjahr war eine längere Wanderung in Schottland.

Ich wollte eine Strecke wählen, die nicht allzu quälend und vor allem auch in der Hochsaison wenig bewandert war, also eine gute Alternative zum West Highland Way. Der Weg sollte keine gefährlichen Abschnitte enthalten, da ich allein unterwegs war. Hierfür schien mir der Rob Roy Way in Schottland der Richtige zu sein. Er ist einfach zu gehen, und anhand dem mitgelieferten Kartenmaterial habe ich mich bestens zurechtgefunden.

Der Rob Roy Way beginnt als Fernwanderweg in den schottischen Highlands in Drymen und verläuft dann Richtung Nordwesten bis Pitlochry. Die Länge des Wegs variiert mit einigen Routenalternativen zwischen 127 und 148 km. Der Weg nutzt dabei die alten Pfade der Viehhändler und führt an schönen Seen, wie zum Beispiel Loch Lubnaig, Loch Earn oder Loch Tay vorbei durch das Herz Schottlands. Man kann den Weg über 5 oder bis 8 Tage gehen.

Wie immer ließ ich bei mehrtägigen Wanderungen täglich mein Gepäck von den fleißigen Helfern des Gepäcktransfers vorausschicken. So wartete mein großer Rucksack stets schon in der Unterkunft auf mich, wenn ich am Nachmittag in meinem B&B, Guesthouse oder Hotel ankam. Damit wog der kleine Tagesrucksack, der lediglich mit Regenkleidung, Proviant und Kartenmaterial ausgestattet war, kaum etwas. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Gepäcktransfer durch Hillwalk Tours gemacht, die ihren Service für alle möglichen Fernwanderwege in Großbritannien anbieten. Die Routenplanung, die Buchung meiner Unterkünfte und das zudem sehr gute Kartenmaterial mit allen Sehenswürdigen auf der Strecke hätte nicht besser ein können. Abends konnte ich in einem der Pubs in Callander, Killin oder Strathyre gut essen und bei einem Wein beste Entspannung finden. Die Städtchen sind sehr klein und die Abende ruhig.

Bring dich am besten mit dem Film Rob Roy mit Liam Neeson in Stimmung und genieße hierbei schon einmal die Landschaftsaufnahmen Schottlands.

Berge Wiesen
Ausblicke vom Rob Roy Weg

Tag 1 Edinburgh nach Callander

Mein Ausgangspunkt am 13. Juli 2015 war Edinburgh. Ein sonniger Tag machte den Bummel in der Stadt, die ich schon viele Jahre zuvor besichtigt hatte, zauberhaft. Mein B&B Wirt versicherte mir, dass ich am nächsten Tag, wenn ich erst einmal in den Highlands, in Callander, angekommen wäre, das Wetter von der BBC als durchweg sonnig angekündigt sei. Er fügte aber gleich hinzu, dass das Wetter in Schottland sehr schnell umschlagen könne. Wie recht er doch hatte.

Von einem vorgebuchten Taxi ließ ich mich am nächsten Tag nach Callander fahren. Die Fahrt mit dem älteren Taxifahrer hätte unterhaltsamer kaum sein können. Was für ein interessantes Leben der jetzige Rentner doch hatte, der jetzt teils aus Freude an menschlichen Kontakten, teils zum Aufbessern seiner Rente Taxi fuhr. Und wie bereits von meinem Wirt angedroht, regnete es „Cats and dogs“. Von der Landschaft sah ich auf der Fahrt nichts außer Nebel. Definitiv der wüsteste Tag, eine Wandertour zu beginnen.

Noch wüster wurde der Start, als ich den Wirt meiner ersten Unterkunft in Callander, dem Highland Guest House, erlebte. Miesepetrig, unwillig, nicht hilfsbereit. Das wären wohl die Hauptadjektive, mit denen ich den Herrn beschreiben könnte, passend zum Wetter eben. Das B&B jedoch war liebevoll eingerichtet, und der Teppichboden im Schottenkaro hat mich nun endgültig auf die Highlands eingestimmt.

Highland Guest House in Callander

Callander hat gelinde gesagt wenig Aufregendes zu bieten. Der Ort ist klein und überschaubar, und so zog ich mich schon bald zum Lesen in mein 5 qm-Zimmer zurück.

Tag 2 Von Callender nach Strathyre

In Callander lockt ein Rob Roy & Trossach Visitor Centre, das ich jedoch wegen der Öffnungszeiten nicht mehr besuchen konnte.

Da ich morgens gerne sehr früh loslegen wollte, war ich etwas erstaunt, erst um 8.15 Uhr (bitte exakt! Nicht früher und nicht später!) das Frühstück bestellen zu können. Nun, ich würde mich wohl umstellen und anpassen müssen. „When you are in Rome, do as the Romans do“. Die Küche, die ich durch einen Türspalt zu sehen bekam, war das Edelste und luxuriöseste, was ich je in einem B&B vorfand. Das Frühstück bestens für eine Wanderung: heavy duty English Breakfast vom Feinsten.

Vom Regen am Vortag hielt sich der Himmel noch hinter dicken Wolkenschichten versteckt, Nebelschwaden gaben nicht viel Sicht auf die Landschaft frei und ein wenig sprühte der Nieselregen noch.

Meinen Einstieg in den Wanderpfad fand ich leicht. Die heutige Route umfasste 15 km und führte mich die meisten Zeit am Loch Lubnaig entlang auf meist relativ ebenen Wegen entlang einer stillgelegten Gleisstrecke. Wälder und Wiesen wechselten sich ab. Bis gegen Mittag hellte sich der Himmel etwas auf, so dass ich Loch Lubnaig tatsächlich einmal fotografieren konnte. Auf der ganzen Strecke ist mir lediglich eine Frau entgegengekommen, die mit ihrem Enkel von den Strathyre Forest Holiday Cabins, einer kleinen Ansammlung von Ferien Cottages, kam.

Die Strecke führte einige Zeit stromaufwärts am Fluss Garbh Uisge entlang, so dass mich sein durchaus romantisches Plätschern lange Zeit begleitete. Hier hätte ich, wäre ich ambitionierter gewesen, den Ben Ledi erklimmen können. Obgleich der Blick von da oben sensationell sein soll, wurde doch vor steilen Abhängen gewarnt und vor der Möglichkeit, die Abstiegsroute zu verfehlen. Also ließ ich das Abenteuer liegen. Die letzten vier Meilen führten mich durch eine äußerst reichhaltige Flora des Flusses Balvag.

Fluss Garbh Uisge entlang dem Rob  Roy Way
Fluss Garbh Uisge entlang dem Rob Roy Way
Wanderin mit Roter Jacke und gelbem Hemd, im Hintergrund Loch Lubnaig
Auf der Wanderroute des Rob Roy Way
Loch Lubnaig See
Loch Lubnaig

Kein Smalltalk heute – oder doch?

Da meine Routenbeschreibung auf „refreshments“ am Ende der Strecke verwiesen hatte, freute ich mich schon den ganzen Tag über auf meinen ersten Afternoon Tea in Strathyre. Dort fand ich den einzigen Tante-Emma-Laden. Hier musste es sein.

Die Regale des Ladens waren teilweise leer, ich sah mich nach einer kuscheligen Tee-Ecke um, konnte aber nichts ausmachen. Auf der Theke blinzelte mich zwischen Lebensmitteln verschlafen die Katze der grimmigen Ladenbesitzerin an. Ich grüßte und fragte höflich nach Tee. Der sonst in UK so obligatorische freundliche Small-Talk blieb aus. Anstatt dessen deutete die genervte Dame stumm mit ausgestrecktem Arm in die hinterste Ecke des Ladens. Ich folgte dem Fingerzeig und machte mich auf die Suche nach dem Tee. Die kuschelige Tee Ecke hatte ich mir schon abgeschminkt, dafür fand ich…einen Münz-Kaffeeautomaten, der wohl auch heißes Wasser in einen Pappbecher spendete. Als ich bemerkte, dass ich keine passenden Münzen hatte, ertappte ich mich dabei, dass ich eigentlich um jeden Preis vermeiden wollte, dieser Schottin noch einmal als Kundin auf die Nerven zu gehen und um Münzen zu bitten. Mein Wunsch nach Tee obsiegte, und ich setzte mich mit meinem Pappbecher auf den einzigen Plastikstuhl, den ich auf dem desolaten Parkplatz vor der Tür finden konnte.

Katze in hellblauem Kissen auf Ladentheke in Strathyre
Sie macht es sich auf der Ladentheke des Tante-Emma-Ladens in Strathyre gemütlich.

Unter den wenigen Häuschen von Strathyre mein B&B auf der Mainstreet zu finden, war wahrlich nicht schwer. Das Coire Buidhe B&B wartete wenige Meter von meinem romantischen Teeplätzchen entfernt auf mich. Es machte wirklich alles wett, was der Tante-Emma-Laden an unwirtlichem Eindruck hinterlassen hatte. Mein Gastgeber, Bob, ein sportlicher kommunikativer Rentner, hieß mich herzlich willkommen und weihte mich gleich ein, wo ich einen wirklich guten Afternoon Tea mit Kuchen und Außenterrasse finden könne. Auch erfuhr ich dabei, dass er ab nächsten Monat eben dieses Café, das Broch Café, als Pächter übernehmen würde.

B&B Coire Buidhe in Strathyre
B&B Coire Buidhe in Strathyre

So genoss ich die Zeit bis zum Abend auf einer gemütlichen Terrasse in unterhaltsamem Gespräch mit englischen und amerikanischen Reisenden, bei einer Kanne (plus Stövchen!) Earl Grey und apple cake. Ja, genauso hatte ich es mir vorgestellt! Ein wahrhaft erholsamer Tagesausklang.

Tag 3 Strathyre to Lochearnhead (11 km plus ca 5-6 km)

Der Tag weckte meinen Elan mit blauem Himmel und strahlender Sonne. Strahlend wie mein Gastgeber, der mich in einen gemütlichen Frühstücksraum führte, in dem ich, wie meistens, der einzige Gast war. Er platzierte mich an einen endlos langen, rustikalen Tisch und leistete mir beim Frühstück Gesellschaft. Sein starker schottischer Akzent verlangte mir Einiges an Konzentration und Fantasie ab. Bis dahin hatte ich eine Hälfte seiner Lebensgeschichte erfahren. Als es zum Aufbruch ging, meinte er, ich solle mich für Sandwiches als Reiseproviant an seinem Kühlschrank mit Brot, Schinken, Käse und Butter bedienen und mir eine ordentliche Stulle zubereiten. Das Zeug im Laden könne man ja nicht genießen.

Wir suchten beide Unterhaltung und Gesellschaft

Da der Rob Roy Way gleich oberhalb seines Hauses weiterginge, würde er mich mit den Hunden ein Stück begleiten. Diese müssten ja eh raus. Hinter seinem Haus stieg die Wiese lang und äußerst steil an, aber Bob eilte die Steigung wie eine Gemse in schnellem Schritt hinauf, ohne, oben angekommen, außer Atem zu sein. Mein Gott, er war wirklich gut in Form! Er suchte Gesellschaft und Unterhaltung, das war unbestritten. Und so erfuhr ich auch die zweite Hälfte seiner Lebensgeschichte in den nächsten zwei Stunden, die er mich noch begleitete. Auch ich fand diese Unterhaltung äußerst erfrischend. Hatte ich doch bereits festgestellt, dass das Alleine Wandern zwar jede Möglichkeit zum Beobachten und Nachdenken gibt, aber die Sehnsucht nach einem Gespräch wenigstens am Abend beim Dinner wirklich sehr groß war.

Mann mit Hunden auf Baumstamm
Mein freundlicher Gastgeber Bob, der mich mit seinen Hunden ein Stück des Wegs begleitet hat.
Aussicht auf dem Weg von Strathyre nach Lochearnhead
Aussicht auf dem Weg von Strathyre nach Lochearnhead

Der Weg nach Killin führte über einen sehr hohen Kamm, meist im Wald entlang auf einem geschotterten Weg. Die Ausblicke, die der Wald hin und wieder freigab, reichten über weite grüne, kaum bewohnte Täler, durchzogen von dem meandernden Fluss Balvag. Im Tal angekommen, stellte sich mir das Kings House Hotel förmlich in den Weg und lud auf der sonnenbeschienenen Terrasse zum Tee ein. Ja, genauso musste es sein!

Es war früher Nachmittag, und es war kaum zu glauben, dass ich meine Route schon weitgehend hinter mir haben sollte. Nein, etwas Wichtiges fehlte noch: das Grab von Rob Roy und seiner Frau. Ich wanderte auf einem Radweg noch eine Weile weiter bis zum Grab in Balquidder, in dem die MacGregors beigesetzt sind. Ein wahrhaft idyllischer Ort, an dem sich eine Pause auf einer der Bänke im Kirchhof anbot. Nach 13 Kilometern hatte ich an dem Tag bei Weitem noch nicht genug und ließ mir von einer Ladenbesitzerin noch eine Zusatzroute auf den Berg beschreiben.

Friedhof Baldquidder
Friedhof, auf dem Rob Roy begraben liegt
Grab der MacGregors,
Das Grab der MacGregors
Frau auf Bank
Der Ort lädt zur Rast ein.

Am späten Nachmittag erreichte ich in Lochearnhead mein B&B, das äußerst komfortable und gepflegte Manswood Country House. Es unterhält einige Gästezimmer und verfügt über ein Musikzimmer mit offenem Kamin. Mein Gastgeber führte mich freundlich überall herum und reichte mir auch schon die Speisekarte, wo ich mir für den späteren Abend etwas aussuchen sollte, denn ein Restaurant gab es in der Nähe nicht. Meine Wahl fiel auf „Chicken Breast & Haggis, served with whisky cream sauce”.

B&B Manswood Country House in Lochearnhead
B&B Manswood Country House in Lochearnhead – sehr zu empfehlen!
Speisekarte
Chicken Breast & Haggis

Haggis MUSSTE jetzt einfach sein. Noch nicht genug des Wanderns, erforschte ich die ca. 2 km entfernte Hafengegend des Loch Earn, hielt in einem Pub bei einem Feierabendbier ein Schwätzchen mit dem Pubbesitzer und machte mich jetzt endgültig auf den Heimweg. Der Haggis rief.

B&B Manswood Country House, Musikzimmer

Zum ersten Mal gab es in meiner Unterkunft auch zwei andere Gäste. Mit den beiden pensionierten schottischen Schulleitern, die einmal im Jahr für zwei Wochen wandern gehen, unterhielt ich mich bestens. So erfuhr ich Etliches über das traditionelle Robert Burns Supper, bei dem einer der Herren als regelmäßiger Speaker auftrat. Neugierig, was es mit dem Robert Burns Supper auf sich hat, suchte ich später in der Frankfurter Gegend eine Gelegenheit, ein solches Event mitzuerleben. In der Tat wurde ich fündig und werde zu einem späteren Zeitpunkt von meinem erlebten Robert Burns Supper in der Freimaurer Loge in Frankfurt berichten.

Bild: Melody Ayres Griffith – Unsplash

Tag 4 Lochearnhead nach Killin (12 km)

Der nächste Morgen forderte mich mit einem steilen Aufstieg über eine Strecke von Serpentinen, von wo ich einen fantastischen Blick auf Loch Earn genoss. Der Weg führte über Glen Ogle zu dem ansehnlichen Viadukt von 1749 und auf Gras am Rande sehr finsterer Wälder vorbei, für mich zu schwarz, zu unheimlich, als dass ich den Picknicktisch am Rande des Waldes hätte für meine Wegzehrung nutzen wollen.

Glen Ogle Viadukt
Glen Ogle Viadukt

In Killin begrüßten mich als erstes die Wasserfälle „Falls of Dochart“ mit einer Wassermühle.

Falls of Dochart
Falls of Dochart
Pub und B&B The Old Smiddy
Pub und B&B The Old Smiddy in Killin

Mein B&B war der Pub The Old Smiddy”, wo ich ein Zimmer für zwei Nächte hatte. Eine, gesprächige Wirtin nahm mich freundlich in Empfang. Hier lohnte sich der Bummel durch die Ortschaft etwas mehr. Immerhin hatte sie 756 Einwohner. Hier konnte ich unseren Whiskey Vorrat als Mitbringsel aufstocken.

Tag 5 Killin nach Ardeonaig (15 km) und zurück mit Mary

Die Nacht bescherte heftigen Regen und Stürme, die gewaltig an dem Dach über mir rüttelten. Das Ergebnis präsentierte sich am nächsten Morgen: stark angeschwollene Flüsse und Wasserfälle. Auch der Fluss vor meiner Tür rauschte kräftig. Etliche Wege über die Berggipfel und auch Flüsse waren über Nacht wohl unpassierbar geworden und auch die Wälder teils zu gefährlich, da etliche Bäume entwurzelt waren oder Astbruch erlitten hatten. Meine Wirtin riet mir dringend ab, meine heutige Tour wie geplant über die Berge fortzusetzen, wenngleich gerade von dort oben die unschlagbaren Aussichten wären. Die dicken Wolken- und Nebelschichten hätten mir das Panorama an diesem Tag verwehrt. Abends hätte mich ein Taxi an einem Hotel abholen und zu Smiddy’s zurückbringen sollen, da es in Ardeonaig für mich keine Unterkunft gab.

Ich folgte dem Rat der Einheimischen, Ardeonaig über eine kleine Straße entlang des Loch Tay zu erwandern. Ausgestattet mit Regenhose und Regenjacke begann ich meine Strecke … im Regen. Leider nicht über die vermeintlich spektakulären Höhen, sondern immer am Loch Tay entlang.

Loch Tay
Loch Tay
Firbush Point am Loch Tay, 
Sportstätte für die University of Edinburgh
Firbush Point am Loch Tay,
Sportstätte für die University of Edinburgh
Loch Tay
Loch Tay

Am frühen Nachmittag war Ardeonaig nur noch einen Kilometer entfernt, als plötzlich ein Mercedes Transporter schnittig neben mir anhielt. Eine ältere Dame am Steuer, weit im Rentenalter, fragte mich, ob ich diejenige sei, die sie um 18 Uhr in Ardeonaig abholen sollte. Laut ihr musste ich es sein, da ich wohl die Einzige war, die an diesem verregneten Tag auf der Strecke wanderte. Was ich denn nun die verbleibenden Stunden dort machen wolle, der Ort würde kaum eine Attraktion für mehrere Stunden bieten. Ich meinte, ich könne ja solange bei einem Tee lesen. Zugegeben, das wären etliche Stunden gewesen. Sie meinte, da wisse sie etwas Besseres. „Come on, jump in, girl!“ „Spring rein, Mädchen! Ich muss die Gepäckstücke der Wanderer für einen Luggage Transfer von einer Unterkunft zur nächsten bringen. Das dauert etwa 3 Stunden. Du kannst mitfahren und mir helfen, und ich zeige dir dabei die ganze Gegend und erzähle dir alles über Lochs, Munros und die Region hier. Mehr als du je beim Wandern sehen könntest.“ Na, wenn das kein Deal war!

Mary war schätzungsweise 70 Jahre alt, klein, fit und bewundernswert kräftig. Sie stemmte die größten Rucksäcke, jedoch nicht ohne dabei lauthals zu fluchen, dass die Wanderer wieder das Gewichtslimit überschritten hätten. Sie hatte ihr Leben lang als Wander- und Gebirgsführerin gearbeitet. Die deutschen Gruppen seien ihr stets die liebsten gewesen, sagte sie. Sie seien zwar „nicht so locker“, dafür aber immer auf die Minute abmarschbereit, und die Zeltplätze hinterließen sie in makellosem Zustand. „Not the slightest trace that someone had camped there.” Nicht das kleinste Anzeichen, dass hier jemand gecampt hatte. Auch „Ice Climbing“, Eistouren mit Pickel, gehörten zu ihren Aktivitäten, viele davon für die Studenten der University of Edinburgh.  

Das Outdoor Sport Center der Universität Edinburgh Firbush Point (siehe Bild), wo sie aktiv war, lag auf meiner Route. Nach all der Fahrerei und dem Gewichtstemmen dieses Tages wollte sie am Abend noch im hiesigen Badminton Club in Killin bei einem Match antreten, wie jeden Freitag. Die taffe Lady klapperte mit mir das ganze Tal ab, und ich lernte dabei eine Menge B&Bs kennen. Nebenbei erfuhr ich, was Munro Runs/Challenges sind, wie und wo sie durchgeführt werden, wie die Wasserfälle für die Elektrizitätsgewinnung genutzt werden, und als welchen Wahnsinn sie das Ansinnen einiger Schotten ansah, sich von England mit Hilfe des Referendums abspalten zu wollen.

Die Fahrt mit ihr war ein äußerst gelungener Abschluss meiner Tour, denn den nächsten, meinen letzten Wandertag konnte ich nicht mehr antreten, da über die Ufer getretene Flüsse und Schlamm etliche Wanderrouten unpassierbar gemacht hatten. So machte ich mich anstatt dessen am nächsten Morgen Richtung Edinburgh auf und hatte Glück, dass auf der Rückfahrt einige Hindernisse umfahren werden konnten. Der Sturm hatte sich immer noch nicht beruhigt und setzte meinem Flugzeug später noch ein wenig zu.

Insgesamt führte mich der Rob Roy Way durch wunderschöne Landschaften mit zauberhaften Ausblicken. Obgleich der Weg selbst häufig nicht gekennzeichnet ist, waren die Routen durch das Kartenmaterial und die guten Wegbeschreibungen von Hillwalk Tours leicht zu finden. Eine landschaftlich wunderschöne Tour für alle, die es ruhig mögen und größeren Touristenströmen an Wanderern aus dem Weg gehen.

Ein anderes Wandergebiet in Südengland, das unmittelbar von der Wärme des Golfstroms profitiert, ist Dartmoor. Im Herbst ist es ein Muss für mich, dort wandern zu gehen. Wenn Ende Oktober in Deutschland bereits 5°C angesagt sind, wandere ich dort bei angenehmen 15-19°C. Sieh dir meinen Bericht über das Dartmoor an.

Siehe auch meinen Bericht über den South Downs Way ebenfalls in Südengland, ein Fernwanderweg von Eastbourne nach Winchester oder umgekehrt

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