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Umweltfreundliche Floristik

Obgleich die Natur bisweilen verschwenderisch ist, so macht es doch Sinn, der Natur auch beim Blumenbinden mit Respekt zu begegnen und einen so kleinen ökologischen Fußabdruck wie möglich zu hinterlassen. Nachhaltige Floristik!

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Foto: Eva Nemeth (Instagram @eva_nemeth) Blumen: Claire @honeysuckle_and_hilda

Umweltfreundliche Floristik

In der Natur gibt es keine geraden Formen, heißt es.  Manchmal klein und zart, vielfach ausladend und überladen. Draußen zeigt sich die Natur in ihrer ganzen Ungezähmtheit. Interessante Ranken, außergewöhnliche Zweige, unsymmetrische Formen und bizarre Blattstrukturen. Wenn wir all dies auch in unseren Blumenbouquets finden, so spiegeln sie die Landschaft um uns herum wieder. Obgleich die Natur bisweilen verschwenderisch ist, so macht es doch Sinn, der Natur auch beim Blumenbinden mit Respekt zu begegnen. Wenn du umweltfreundliche Floristik betreibst, dann hinterlässt du einen so kleinen ökologischen Fußabdruck wie möglich.

Umweltfreundliche Floristik
Sammle Blumen für Sträuße und Gestecke in der freien Wildbahn, an Feld-, Wald- und Bachrändern. Alle Gestecke, die du hier siehst sind auf diese Weise entstanden

Nachhaltig von der Saat bis zur Blüte

Ökologische Aspekte

Wenn ihr Blumen nicht selbst züchtet oder anbaut, werft einen Blick auf die Transportwege und Herkunftsländer. 80% der in westlichen Läden gekauften Blumen werden von den Niederlanden, Kenia, Ecuador, Kolumbien oder von Vietnam. importiert. Denn bessere Wuchsbedingungen, wie Temperaturen, Regen, Sonnenstunden pro Tag bieten diesen Ländern ein blühendes Exportgeschäft für Rosen. Alleine an einem Valentinstag in den USA werden für die 100 Millionen importierter Rosen 9.000 Tonnen CO2 emittiert. Andererseits benötigen die Treibhäuser Kenias kein künstliches Licht, Heizung oder Kühlung. Daher produzierten Rosen aus Kenia 6.034 kg CO2, die niederländischen Rosen jedoch 37.110 kg CO2.

Tipp: Also: Augen auf, woher die Pflanzen kommen!

Pestizide und Wasserverschmutzung

Es lohnt sich, auf umweltfreundliche Floristik zusetzen, denn Blumenanbau ist einer der größten Verbraucher von Pestiziden. Da Blumen keine Nahrungsmittel sind, werden sie auch nicht gesetzlich so stark überwacht. Entsprechend der WHO Liste der schädlichen Pestizide werden in Kolumbien 12 Pestizide eingesetzt, in Äthiopien 120. Diese verursachen im Anbauland gesundheitliche Probleme bei den Arbeitern und bedrohen die Fischbestände in den Gewässern. 90% der Pestizide verdampfen in die Luft und werden bis zu 1500 km weit getragen.

Land- und Wassernutzung

Große Landflächen und Wasserreserven können in den Ländern nicht mehr für Nahrungsmittelanbau genutzt werden, sondern dienen wirtschaftlichen Interessen des Blumenexports.

Elektrizität

Für die geernteten Blumen müssen Kühlräume mit Elektrizität versorgt werden, die andernorts produziert werden muss. Dies gilt ebenfalls für den gekühlten Transport.

Plastikabfall

2017 importierte Australien 5,22 Millionen Rosen für den Valentinstag. Rechnet man die Blumensträuße in Plastikfolien hoch, so wurden alleine für Australiens Rosen am Valentinstag schon 163 km Plastikfolie verbraucht. Ein enormes Aufkommen an Abfall! Noch weit größer dürfte der Schaden durch Steckschwamm sein. Man verwendet ihn dazu, die Blumengestecke in Form zu halten und vollgesaugt mit Wasser die Blumen länger haltbar zu machen. Steckschwamm ist nicht biologisch abbaubar, er zerfällt lediglich in kleine Plastikteile. Es ist ein aus Öl hergestelltes Material mit krebsauslösenden Chemikalien, wie z.B. Formaldehyd.  Für Floristen gibt es sehr gute Alternativen zum Steckschwamm, beispielsweise Hühnerdraht, Kieselsteine, Murmeln, gebogene Äste, Torfmoos oder Naturton. 

Steckschwamm ist nicht umweltfreundlich.

Jedoch noch weit größer dürfte der Schaden durch Steckschwamm sein. Man verwendet ihn dazu, die Blumen in Form zu halten und vollgesaugt mit Wasser länger haltbar zu machen. Steckschwamm ist nicht biologisch abbaubar, er zerfällt lediglich in kleine Plastikteile. Es ist ein aus Öl hergestelltes Material mit krebsauslösenden Chemikalien wie Formaldehyd.  Für Floristen gibt es sehr gute Alternativen zum Steckschwamm, beispielsweise Hühnerdraht, Kieselsteine, Murmeln, gebogene Äste, Torfmoos oder Naturton. 

Tipp: siehe meinen Artikel für alternative Tipps zum Steckschwamm

Umweltfreundliche Floristik
Nachhaltige Floristik im Strawberry Hill House

Soziale Aspekte

Ausbeutung in der Herstellungskette

Jeder hundertste Bewohner Kolumbiens arbeitet in der Blumenindustrie. Frauen mit befristeten Verträgen bis zu 15 Stunden pro Tag verdienen ca. 26 Euro pro Woche.  In Kenia bringt ein Arbeiter ca. 6 Euro pro Woche nach Hause. Für Landarbeiter liegt der Mindestlohn bei 1,20 Euro pro Tag, in Tansania bei 0,96 Euro.

Diese Arbeiter – meist Frauen – sind häufig giftigen Pestiziden ausgesetzt und leiden unter den gesundheitlichen Folgen

9 Tipps für umweltfreundliche Floristik.

  • Kaufe deine Blumen von lokalem ökologischen Blumenanbau, damit du Transportwege vermeidest.
  • Sammle Blumen für Sträuße und Gestecke in der freien Wildbahn, an Feld-, Wald- und Bachrändern. Alle Gestecke, die du hier siehst, sind auf diese Weise entstanden.
  • Sähe Blumen selbst in eigenen Blumenbeeten und -töpfen aus.
  • Kaufe nur der Saison entsprechende Blumen. Im Winter gibt es keine. Dafür aber getrocknete Blumen, Eis geschockte, Äste und Zapfen.
  • Verzichte auf die schnurgerade gezüchteten Blütenstiele aus den Treibhäusern. Sie kämen in der Natur nie so vor.
  • Achte bei importierten Blumen auf Fairtrade Anpflanzung, da sie nachhaltigere Anbaumethoden einsetzt.
  • Unterstütze aktiv umweltfreundlich arbeitende Floristen in deiner Nähe.
  • Verwende keinen Steckschaum. Alternativen findest du im Artikel oben.
  • Verpacke Blumensträuße und Gestecke nicht in Plastikfolie.

Für mehr Beispiele an nachhaltiger Floristik honeysuckle and Hilda

und Flowers from The Farm

“Flowers with no air miles and very few drive miles.”

Das ist das Motto der britischen Kooperative “Flowers from the farm”.

https://www.flowersfromthefarm.co.uk/

Farmblumen als Alternative zu importierten Schnittblumen sind in England weit mehr verbreitet als in Deutschland. Die Non-Profit Kooperative zählt bereits 700 Mitglieder zwischen Cornwall und Inverness. Ihre Mitglieder bauen ihre Blumen in kleinen Unternehmen mit 6 Acres Land oder mehr an.

Ihr Ziel ist es, Gärtner zu ermuntern, eigene Blumen für den heimischen Markt anzubauen und für diese nicht-importierten Schnittblumen zu im Land werben. Die Kooperative hat bereits viele Preise gewonnen.

Wenn ihr im Sommer in UK Urlaub macht, geht einmal zu einem ihrer zahlreichen Gärtner Events. Ihr könnt hier auf der Landkarte genau sehen, wann und wo welches Event stattfindet. What’s on

Für zauberhafte Floristikfotografie Eva Nemeth

Gartentipps von englischen Gärtnern im Garden World Magazine

Äste, Blätter, Blüten aus freier Wildbahn für umweltfreundliche Gestecke und Bouquets
Äste, Blätter, Blüten aus feier Wildbahn für umweltfreundliche Gestecke und Bouquets, Bild: Sereja Ris – Unsplash

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