Start Lifestyle Harris Tweed – Woven with love and care

Harris Tweed – Woven with love and care

Wer sich heute für Mode oder Design interessiert, kommt um Harris Tweed nicht herum.

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Harris Tweed entdeckt von heutigen Modedesignern
Bild: 1doodoosonic - Unsplash.com. Längst haben Modebranche und Designer den Harris Tweed, einst Gewand des Landadels, für sich entdeckt.

Harris Tweed neu entdeckt

Sagt euch Fischgrat mit Überkaro oder Hahnentritt etwas? Wer sich heute für Mode oder Design interessiert, kommt um Harris Tweed nicht herum. Wie? Der Stoff, der seit Jahrhunderten auf den Hebriden hergestellt wird und vor 10 Jahren nahezu totgesagt war? Der schon den englischen Landadel warm hielt? Mittlerweile produzieren Designer wie Ralph Lauren Jacketts daraus, Mayser Herrenmützen, Manufactum vertreibt Harris Tweed Jacketts. Auch THE BRITISH SHOP bietet ein vielfältiges Sortiment an Harris Tweed an. Der Traditionsstoff erlebt gerade ein vielschichtiges Revival, aktuelle Farben, leichtere Garne, neue Einsatzzwecke. Harris Tweed ist neu entdeckt.

Harris Tweed mit Fischgratmuster
Bild: Nick Wood – unsplash, Harris Tweed mit Fischgrat

Harris Tweed hält nicht nur den Adel warm

Verbringt erst einmal einen stürmischen Winterabend auf den äußeren Hebriden und ihr werdet verstehen, warum die Einheimischen genau dort den Harris Tweed erfunden haben. Über Jahrhunderte fertigten die Bewohner dieser abgelegenen schottischen Inseln den handgewebten, dichten Wollstoff. Sie wollten die beißende Kälte des Nord Atlantik Windes und die Nässe von sich abhalten. Landedelleute, College Professoren und Sherlock Holmes haben sich den Stoff als Markenzeichen zueigen gemacht. Bis Mitte der 1960er Jahre produzierten die Hebridenweber auf ihren fußbetriebenen Webstühlen noch bis zu 7,6 Millionen Meter Stoff pro Jahr. Dann ging’s bergab bis schließlich 2008 nur noch 454.000 Meter gewebt wurden. Die Kunden waren auf leichtere und modernere Stoffe umgestiegen.

Harris Tweed auf den Hebriden hergestellt
Bild: Fraser McFadzean, Nur, wenn der Stoff auf den Hebriden hergestellt wurde, darf er sich Harris Tweed nennen.

Und so wird er auf den Hebriden hergestellt

Tatsächlich nutzte man zum Einfärben der Garne bis Mitte des 19 Jahrhunderts die Ressourcen der Natur: Flechten, Wurzeln, Torfasche und fixierte sie mit Urin. Seit man das Garn maschinell herstellt, verwendet man künstliche Farbstoffe. Die Herstellungsprozedur ist streng festgelegt. Zunächst wäscht man die Wolle, färbt, vermischt und kämmt sie. Dann spinnt man das Garn zu maximal sechsfarbigem Garn, wobei beispielsweise ein brauner Faden mit Indigo, Orange oder Moosgrün gesprenkelt sein kann. Die Garnrollen werden dann in den Privathaushalten nach einer Webanleitung verwoben. Mit geübtem Auge inspizieren Fachleute die Stoffbahnen. Mit Hilfe von Soda und Seifenwasser befreit man die Stoffbahnen von Fett, Öl und Verunreinigungen, trocknet sie danach, dämpft und presst sie. Wenn der Stoff unter den strengen Augen der Qualitätsprüfer bestanden hat, bügelt man als letztes das Echtheitszertifikat, „The Orb“, der Reichsapfel, auf die Rückseite des Stoffs.

Webstuhl Fäden
Bild: Nickolas Nicolic – Unsplash

Geschützt vom Parlament

Wegen seiner einzigartigen Qualität und Herkunft ist es der einzige Stoff auf der Welt, den seit 1903 ein eigener Parlamentsbeschluss schützt. Danach darf Harris Tweed nur von der Wolle schottischer Schafe sein, auf den Hebriden gesponnen und gefärbt und auch nur dort in privaten Häusern gewoben werden. Ein Gremium, The Guards of the Orb“, kümmert sich um die Einhaltung des Parlamentsbeschlusses, um die Herstellungsbestimmungen und den Markenschutz. Damit natürlich um die Erhaltung der Arbeitsplätze auf den Hebriden. Die Schafwolle jedoch kommt vom schottischen Festland, da die Menge der Schafe auf den Hebriden bei weitem nicht ausreichen würde. Viele Weber stehen heute kurz vor dem Rentenalter und es wird schwer, Nachwuchs für das traditionelle Gewerbe zu finden. Längst haben sich aber auch auf den Hebriden ansässige Designer wie Netty Sopata unter ihrer Marke Diggory Brown einen Namen gemacht, die das Bild und Einsatzzwecke des Traditionsstoffes erheblich wandeln werden.  

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