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Erntedank und Corn Dollys

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Leiterwagen mit Kohl und Früchten zum Entredank

Der Herbst, die Jahreszeit der Nebel und Fruchtbarkeit, läutet das Ende der Wachstumsphase ein. Die Ernte markiert im englischen Farmerkalender ein wichtiges Datum, denn der Erfolg der jährlichen Ernte hängt von vielen Umweltfaktoren ab, und das Wetter spielt dabei eine wesentliche Rolle – zu viel oder zu wenig Regen, Hitzewellen, Dürren sind nur einige davon.

Kürbisse Gurken Marktstände Erntedank
Markt in Tavistock/Dartmoor

Wenn sich der Sommer zu Ende neigt, und die Felder abgeerntet sind, rückt das „Harvest Home“ näher. So nennt man das Erntedankfest in England. Das Wort „harvest“ kommt von dem angelsächsischen Wort „hearfest“ und bedeutet Herbst. Es wird traditionsgemäß an dem Sonntag gefeiert, der dem Erntevollmond Equinox (Tagundnachtgleiche) am nächsten ist, dies ist meist um den 21.- 23. September. In diesem Monat, wenn die Ernte der Feldfrüchte abgeschlossen ist, stellt man für den Dankgottesdienst symbolisch Obst- und Gemüseopfer um den Altar in der Kirche auf. Dies soll die gute Ernte für das kommende Jahr sicherstellen. Die Opfergaben verteilt man danach an Krankenhäuser oder Bedürftige.

Blaue Vase mit Sonnenblumen zum Erntedank
Herbstliche Blumenarrangements in Dorfkirchen zum Erntedank

Kirchenschmuck zum Erntedank

An den liebevollen Arrangements in den Kirchen sieht man wie stolz die Spender auf ihre besten Früchte sind, die sie häufig eigens dafür aufheben. Altare, Nischen, Tische und Fensterbänke sind mit Vasen voller Herbstblumen, Herbstblätter und Beeren gefüllt, und spezielle Gabentische mit Kürbissen, Kohlköpfen, Obstkörben und Gemüse werden aufgestellt. Es ist die Zeit im Jahr, wo die Kirchengemeinde den zu Ende gehenden Sommer feiert, sich auf Herbst und Winter vorbereitet, indem man Vorräte einlagert und Gott dankt.

gelbe Blumenvase mit Hagebutten zum Erntedank

Aus der Geschichte weiß man, dass die Dörfer Teil der Ländereien reicher Großgrundbesitzer waren, deren Dorfbewohner in der Landwirtschaft arbeiteten oder die Gärten pflegten. Vikar Robert Stephen Hawker aus Morwenstow in Cornwall soll das Erntedankfest in England 1834 wieder ins Leben gerufen haben.

Mit verschiedenen Traditionen feiert man die Ernte

In Gegenden, wo die Menschen hauptsächlich vom Fischfang lebten, wie z.B. North Shields, nennt man das Fest „Blessing of the Water or Boats“ (Segnung des Wassers und der Boote). Während eines Gottesdienstes im Freien segnet der Priester die Boote, und die Kirchen schmückt man mit Fischereigeräten. In anderen Gegenden Englands feiert man das Fest „Lammas“, das Fest des ersten Brotes. Weizengarben werden am Altar dargebracht und die Gemeindemitglieder nehmen ihr eigenes, geweihtes Brot mit nach Hause.

Heute wird der Termin des Erntedankfestes lange im Voraus festgelegt, während die Bauern früher auf das Einbringen der letzten triumphal eingefahrenen Wagenladung an Getreide warteten, die man dann mit einem „Harvest Supper“, genannt „Harvest Home“, am Abend feierte.  So konnte der Termin damals variieren.

Eine andere Tradition war das „Hollaing Largesse“. Passierte ein Fremder das Erntefeld in Norfolk oder Suffolk, so riefen die Schnitter „Holla Lar! Holla Lar! Holla Lar-Jess“. Damit lockten sie dem Fremden eine Spende aus der Tasche, die sie für das „harvest Supper“ verwendeten.

Junge mit Hut und Hosenträgern im Kornfeld
Bild: Dominika Roseclay – Pexels

Korngeister und Corn Dollies

Als in grauer Vorzeit die Menschen ihr Nomadentum aufgaben und als Jäger und Sammler ihr Dasein fristeten, das Land kultivierten und Früchte anbauten, glaubte man, dass der Erfolg ihrer Arbeit stark von verschiedenen Gottheiten abhing, die vermeintlich ihre Fruchtzyklen beeinflussten. Sie hielten Zeremonien ab und spendeten Opfergaben, um die Götter wohl zu stimmen. Das kennt man von überall auf der Welt.

Da Getreide eine der ersten angebauten Feldfrüchte war liegt es nahe, dass in den Gegenden, wo Getreide angebaut wurde, auch Legenden und Aberglaube darum erhalten blieben. Man glaubte, dass der Korngeist sich vor den herannahenden Schnittern zur Erntezeit in Sicherheit brachte und sich in das zuletzt stehen gebliebene Kornbündel zurückzog. Diese letzten Getreidehalme band man zu einem Corn Dolly, einem Kornbündel, zusammen und bot so einen Rückzugsort für den Korngeist, wo er sich während des Winters ausruhen konnte. Im Frühjahr brachte man das Corn Dolly zusammen mit dem darin herrschenden Korngeist gemeinsam mit der neuen Saat zurück aufs Feld. Indem man dem Korngeist während der dunklen, kalten Jahreszeit ein zuhause gegeben hatte, erhofften sich die Menschen eine reichliche Ernte für das kommende Jahr.

Die Corn Dollys gibt es in verschiedensten Formen

Das Wort „Corn Dolly“ wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet. Zuvor nannte man das Kornbündel „Harvest Trophies“ (Erntetrophäen). Je nach Region in England, gibt es sie in vielfältigen Formen: den Stafford Knot, den Suffolk Horseshoe oder den Cambridge Umbrella, um nur einige zu nennen. Allen ist gemeinsam, dass sie von den zuletzt verbleibenden Getreidehalmen hergestellt wurden. Noch heute sind Corn Dollys ein ansprechendes Symbol für die Fruchtbarkeit der Erde, eine beliebte Erinnerung an unsere Agrargeschichte oder ein willkommenes symbolisches Geschenk für das Bandritual bei Hochzeiten, bei Taufen oder Einzugspartys.

Hier findest du eine YouTube Anleitung, wie man ein Corn Dolly selbst macht.

Ein Buch, das dir zeigt, wie du Corn Dollys selbst machst.

Corn Dollys könnt ihr in allen Formen kaufen, Z.B. hier

Probiere gerne mein Herbstrezept zum Erntedank aus: Kürbis Pie

Jetzt beginnt wieder die Zeit zum Gruseln: „Gothic Week“ in Tavistock/Dartmoor

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