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Hedge Laying – Heckenlegung

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Hecke
Heckenlegung in Südengland, Bild: Steve Bright, Lynton

Eine jahrtausendealte Farmertradition

Wenn du durch Südengland fährst und du schaust dich rechts und links auf den Feldern und Wiesen um, dann entdeckst du ein Patchwork Mosaik an Feldparzellen, die alle ziemlich klein und durch Heckenreihen unterteilt sind. Diese Heckenreihen prägen eindrucksvoll die Landschaft.

Schon Julius Caesars Truppen wurden in ihrem Fortkommen durch diese nahezu undurchdringlichen Hecken behindert, wie man aus Caesars Kommentaren zum gallischen Krieg „de bello Gallico“ nachlesen kann. Was sind das für Hindernisse, die noch heute Jahrhunderte später Felder und Landschaften ästhetisch strukturieren, den Viehbestand im Zaum halten, Wildtieren Unterschlupf gewähren, Getreide und Kleintier vor Wetter schützen? Es sind keine normal gewachsenen Hecken. Es sind vielmehr dick verwobene Hecken, die durch deren „Niederlegen“ errichtet wurden. Daher im Deutschen auch „Heckenlegung“ genannt.

Hecke mit Geflecht und Blüten
Wenn man solch eine Hecke nicht stets bearbeitet, entstehen Lücken oder sie verwächst sich mit Unerwünschtem. Bild: Anni Spratt – Unsplash

Für alles gibt es eine „Society“

Das Heckenlegen ist eine Jahrhunderte alte Fertigkeit in der Landwirtschaft, die gekonnt sein will. Kein Wunder, dass es in Großbritannien Clubs, „societies“, gibt, die sich auf diese Farmarbeit spezialisiert haben, wie zum Beispiel die National Hedge Laying Society. Und natürlich gehört auch das übliche Kräftemessen zwischen Societies und Gemeinden in Form von Wettbewerben dazu, ähnlich wie bei uns das Wettpflügen.

„Eine Hecke ist mehr als eine Reihe Büsche, es ist eine lebende Struktur mit Form und Zweck.“ (John Esling)

Geflecht
Das sind die dürren Anfänge einer Hecke. Bild: Anni Spratt – Unsplash

Wann und wie macht man das Hedge Laying?

Diese nahezu undurchdringlichen Hecken sind vorwiegend in Südengland zu finden, und wenn es eine Farmarbeit gibt, die man nur im Winter verrichten kann, so ist es das Hedge Laying. Nur von Oktober bis März ist es möglich, solch eine Hecke anzulegen oder sie zu bearbeiten, denn in der Zeit ruhen die Bäume, die Säfte strömen nicht durch die Stämme und die Vögel haben ihre Nistplätze in den Bäumen und Hecken verlassen. Werden die Hecken nicht regelmäßig bearbeitet, so entstehen Lücken, sie wachsen ungleich, die Oberkante wird zu schwer, verwächst mit Efeu oder anderem Unerwünschten. An solch einer Hecke muss also stets gearbeitet werden.

Obgleich es in England und Irland verschiedenste Stile beim Heckenlegen gibt, bleibt das Prinzip dabei stets gleich. Eine Reihe von Heckenbäumen wird so bearbeitet, dass sie dicht wird, unerwünschte Überwucherung und Seitentriebe entfernt werden, so dass Licht an den Fuß der Pflanze gelangt und dann werden die eigentlichen Stämme bearbeitet. Dabei wird jeder Hauptstamm („Pleacher“) in Bodennähe in einem Winkel eingeschnitten, so dass ein kleines Stück des Stamms am Boden intakt bleibt. Der angeschnittene Stamm wird dann „niedergelegt“. Dafür muss der Schnitt im Stamm so gut platziert sein, dass er tief genug ist, dass man den Stamm umbiegen kann, beim Rest aber ausreichend Rinde und Stamm übrigbleiben, damit genügend Säfte aufsteigen können, um die Hecke zu regenerieren. Dadurch wird die Pflanze am Leben gehalten. So wird Stamm für Stamm umgelegt, bis eine glatte Oberfläche entsteht und der Nachwuchs von unten her angeregt wird. Wenn alle Stämme seitlich umgelegt sind, werden senkrechte Stämme entlang der Hecke platziert, durch welche die sogenannten „Binders“, meist Haselnuss, geflochten werden, diese geben der Hecke Festigkeit, Struktur und Oberfläche.

Obgleich diese Praxis meist im landwirtschaftlichen Raum genutzt wird, kann man sie genauso gut im häuslichen Garten einsetzen.

Mit gleichen Werkzeugen wie einstmals für die Folter

Bild: Akram Huseyn – Unsplash

Wie einstmals Folterwerkzeuge, so sind auch die Werkzeuge der Heckenleger einfach, aber äußerst effektiv: Sägen, Vorschlaghämmer, Hippen und Baumscheren sind die Basisausrüstung der Farmer. Feste Arbeitshandschuhe und Schutzbrille sind wichtig.

Und mit welcher Art Hecken kann man das machen? Die meist verwendeten Pflanzen dafür sind Weißdorn und Schlehe, aber auch Feldahorn, Haselnuss, Hartriegel, Schneeball, Flieder, Pfaffenhütchen und Ulme sind geeignet,

Wer sich solch ein Projekt einmal ansehen will, findet hier ein anschauliches Video.

Wer einen schönen Fernwanderweg in England sucht, findet hier einen Wanderbericht vom South Downs Way von Eastbourne nach Winchester.

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