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Kinderarbeit in den Yorkshire Mills

Grausame Verletzungen bei Kindern im 19. Jahrhundert

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Kinderarbeit in den Yorkshire Mills
Noch funktionierende Spinnmaschinen im Industrial Museum in Leeds

Sightseeing Tipp Leeds Industrial Museum: Kinderarbeit in den Yorkshire Mills

Wer etwas über die Arbeitsbedingungen der Kinder in der Textilindustrie Yorkshires des 19. Jahrhunderts erfahren will, für den ist der Sightseeing Tipp Leeds Industrial Museum genau richtig. Es ist untergebracht in den Armley Mills, der einst größten Wollspinnerei der Welt. Verschiedene Industriezweige haben die Stadt Leeds geprägt und diejenigen, die sich für Ingenieurwesen und Dampfmaschinen interessieren, werden die Ausstellungen lieben. Das Museum liegt direkt am Leeds/Liverpool Kanal. Dieser bildete um 1700 eine direkte Verbindung zwischen Leeds und seinen Kunden und Lieferanten in Europa, Australien und Amerika. Kunstausstellungen (siehe Helen Riddle)  oder Sonderausstellungen wie die der „Queens of Industry“ (siehe meinen Bericht) und ein 1920er Jahre Kino mit Kurzfilmen runden die Eindrücke rund um die Industriegeschichte Leeds’ ab. Richtig beeindruckend ist Bobs 45-minütiger Vortrag über die Spinnerei des 19. Jahrhunderts. Eindrucksvoll ist auch, wenn er die gigantische Maschine zum Laufen bringt – die letzte aktive Spinnereimaschine aus der damaligen Zeit. Während sie damals wurde mit Dampf betrieben wurde, läuft sie heutzutage mit Strom. Noch immer werden die grünen Billardtücher der Pooltische darauf hergestellt und der Stoff für die roten Röcke der Royal Guards

Leeds Industrial Museum
Spinnmaschine im Leeds Industrial Museum

Der Arbeitsalltag der Kinder in der Spinnerei

Sehr lebhaft beschreibt er unter welchen Umständen Kinder ab 5 Jahren in den Spinnereien und Webereien des 19. Jahrhunderts arbeiten mussten. Ein Arbeitstag bestand auch bereits für die Kleinen aus 12-14 Stunden Arbeit und das unter extremen Arbeitsbedingungen. Die Spinnmaschinen waren eng gestellt, so dass in den Gängen dazwischen nur wenig Platz war. Spulen, Walzen und Treibriemen waren nicht durch Schutzvorrichtungen abgesichert. Kein Wunder, dass die Kinder schnell an Kleidung oder Zöpfen hängenbleiben konnten. Daher trugen die Mädchen und Frauen Ihre Haare meist hochgesteckt*) Die Maschinen liefen auch unbeaufsichtigt, so dass sie große Risiken für die Kinder waren. Häufig waren die Kinder zu klein für die Höhe der Dampfmaschinen, um die Spindeln ordnungsgemäß und sicher bedienen zu können. die Maschine verarbeitete die Fäden mit hoher Geschwindigkeit. Wenn die Fäden oder Spulen steckenblieben oder ein Spinnfaden riss, mussten die Kinder mit ihren kleinen Fingern ran. Sie mussten dann den Faden schnellstens wieder zusammenzuknüpfen oder den Maschinenstau beheben. Jeder Maschinenstillstand verursachte Produktionsverlust für den Spinnereibesitzer. Daher wurden die Kinder mit Schlägen oder Lohnkürzung bestraft, wenn die Arbeit nicht schnell genug vonstatten ging.

Kunstinstallation Industrial Museum Leeds
Kunstausstellung mit Filz von Helen Riddle im Leeds Industrial Museum

Grausame Verletzungen bei Kindern

Historische Dokumente belegen grausame Verletzungen. Fast alle Kinder hatten bis zum Erwachsenenalter ein oder mehrere Finger oder den Arm verloren, wenn sich die Maschine nach Lösen des Staus plötzlich wieder in Gang setzte. Dadurch wurden auch häufig Muskeln und Haut bis auf die Knochen abgezogen. Von einem Mädchen wurde dokumentiert, dass sie mit ihrer Schürze von der Walze vollständig in die Maschine gezogen wurde. Die Familien waren auf den Lohn jedes Familienmitglieds angewiesen. Daher schickten sie die Kleinen sobald sie 5 Jahre alt waren zum Arbeiten in die Wollspinnereien. Demzufolge blieb für Schule hier wenig Zeit oder sie schliefen auf der Schulbank häufig vor Erschöpfung ein. 

Kinderarbeit in den Spinnereien
Bereits Kinder ab 5 Jahren arbeiteten in der Wollspinnerei

Arbeitsbedingungen waren unerträglich

Was die Arbeit enorm erschwerte, war die entsetzliche Hitze in den Hallen, die voll gestellt waren mit Maschinen. Da es häufig keine gab es Fenster gab, fehlte die entsprechende Belüftung. Damit Baumwolle besser verarbeitet wird, wenn die Umgebung warm und feucht ist, kam die Abwärme der Dampfmaschinen der Produktion zugute. Jedoch für die Arbeiter war sie zusätzlich belastend. Baumwollstaub ist bei trockener Luft leicht entzündlich. Um die Luft feucht zu halten, besprengte man den Boden zusätzlich mit Wasser. Die Baumwollverarbeitung brachte eine unglaubliche Menge Staub mit sich, die nicht zuletzt in den Lungen der Arbeiter landete.  Dies verursachte größte gesundheitliche Probleme wie Atemnot. Da die ersten Beleuchtungsquellen vor den Gaslampen Kerzen und Öllampen waren und der Baumwollstaub höchst entzündlich, brannten etliche Spinnereien ab. So auch die Armley Mills Anfang des 19. Jahrhunderts.

Bob setzte schließlich am Ende seines Vortrags die große Spinnereimaschine in Gang.

Sie funktioniert noch heute einwandfrei. Mehrere dieser Ungetüme liefen normalerweise gleichzeitig. Man kann die Lärmbelastung ermessen, denen die Arbeiter 16 Stunden am Tag ausgesetzt waren.

.*) Wenn sie die Fabrik abends verließen, ließen sie meist auch ihr Haar herunter. Daher kommt heute noch der Ausdruck „to let your hair down“. Was soviel bedeutet wie, sich amüsieren oder aus sich herausgehen. Viele heutige Redewendungen im Englischen kommen aus der damaligen Zeit der Textilindustrie, wie uns Bob erklärte.

Die Spinnmaschine funktioniert noch heute einwandfrei.

Die über 100 Jahre alte Spinnmaschine ist noch heute in Betrieb und stellt Billardtücher und rote Jacken für die Royals her.

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