Start Leckeres Gibt es in England noch den Milkman?

Gibt es in England noch den Milkman?

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Gibt es in England noch den Milkman?
Bild: Jason Murphy - Unsplash

Die einfache Antwort wäre: ja.

Etwa 5000 Milkmen und Milkwomen stellen täglich im Morgengrauen möglichst geräuschlos die bestellten Milchflaschen vor die Haustüren der Briten. Ein sogenannter Milk Float, ein elektrisch angetriebener, geräuschloser Milchwagen, fährt sie hierfür von Tür zu Tür.

In der Tat hat die Milchmannzunft in den letzten beiden Jahren einen regelrechten Boom erfahren. Ihr Comeback verdankt die Branche hauptsächlich urbanen Millennials, die den Glasflaschen vor Plastikflachen und Tetra Packs vom Supermarkt den Vorrang gaben, um den Plastikmüll zu reduzieren und lokale Molkereien zu unterstützen. Londons Molkereien verzeichnen speziell seit Mitte des Jahres 2018 einen gewaltigen Verbrauchsanstieg an Lieferaufträgen. Als Katalysator hierfür kann die Sendung Blue Planet II von David Attemborough genannt werden. Die Molkereien haben festgestellt, dass speziell jüngere britische Konsumenten gewillt sind, mehr für die in Glasflaschen gelieferte Milch zu bezahlen, um so ihren Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. So hat die Molkerei milk&more von Januar bis Februar 2018 einen Anstieg von mehr als 2500 Neukunden verzeichnen können. Die Lieferung der Milchflaschen bis an die Haustür macht etwa 3 Prozent des Milchverkaufs in UK aus, das sind immerhin rund 1 Million Pints pro Tag.

Die Molkerei Parker in Ost London unterhält eine Flotte von 25 elektrisch getriebenen Milchwagen. Allein sie hat innerhalb eines Monats 382 Neukunden dazubekommen. Normalerweise verbuchen sie 30 Neuaufträge pro Monat, jetzt sind es so viele pro Woche.

Also ja, es gibt den Milchmann/-frau mehr denn je.

Immer mehr ihrer Kunden möchten die Milch nicht in Plastik-, sondern in Glasflaschen geliefert bekommen. Und mit der jüngeren Klientel passen auch die Milchlieferanten ihr Produktsortiment an. Sauerteigprodukte und Honig werden gleich mitgeliefert. Bei der Parker Molkerei sind es 250 Laib Sauerteigbrot, die wöchentlich an Neukunden gehen. Für 2500 Neukunden müssen fünf neue Milchmänner und -frauen eingestellt werden. 90 Prozent der Neukunden, die im Durchschnitt 35 Jahre alt sind und meist aus jungen Familien mit doppeltem Einkommen stammen, bestellen ganz bewusst die Glasflaschen, die mittlerweile Kult geworden sind.

Gibt es den Milkman noch in England? Zum Frühstück genial: die "doorstep delivery" von Milch und lokalen Produkten durch die hiesige Molkerei.
Zum Frühstück genial: die „doorstep delivery“ von Milch und lokalen Produkten durch die hiesige Molkerei.
Bild: Calum Lewis – Unsplash

Die Tradition der „doorstep deliveries“, Lieferungen an die Haustür, ist heute wichtiger denn je. Sie garantieren eine zuverlässige Belieferung zum Frühstück nicht nur mit Milch, sondern auch mit leckeren lokalen Produkten und sind Teil einer Gemeinschaft.

Nicht zuletzt weckt die kalt beschlagene Milchflasche am frühen Morgen vor der Haustüre Kindheitserinnerungen.

Wie ihr euch denken könnt, hat Corona diesen Trend noch zusätzlich befeuert. Nachdem die britische Regierung die Bevölkerung dringend aufgerufen hatte, zu Hause zu bleiben, die Städte ausgestorben und ruhig geworden sind, die Geschäfte geschlossen waren, hat der Milchauslieferer Critchley in Leeds gleich zu Beginn 600 Neukunden dazugewonnen, 30 Auftragsanrufe pro Tag. Die Menschen vermieden es, in einer Schlange zu warten, um dann vor leeren Regalen in Supermärkten zu stehen. Durch den Lieferservice der Milchmänner und -frauen war zumindest dieser Hauptbestandteil der Nahrung gesichert.

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